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Hintergründe, Info´s und wie´s zur Zeit aussieht

Verfasst: Freitag 8. Oktober 2004, 19:36
von ProVBird
Warum hat ILFC die Airbusse nach Kanada fliegen lassen?

Man will mit der Überführung nach Kanada verhindern, daß die Flugzeuge in Europa aus Inkassogründen gegroundet werden und damit eine schnelle Wiederinbetriebnahme bzw. Rückgabe an ILFC verzögert wird. Die operative Herrschaft über die Flugzeuge hat nach wie vor V Bird, da bezahlt. Unsere Piloten haben die Flugzeuge auch nach Kanada geflogen.

Ist V Bird nun pleite oder nicht und warum überhaupt?

V Bird ist offiziell noch nicht zahlungsunfähig; d. h. es wurde noch kein Insolvenzantrag gestellt. Fakt ist jedoch, es ist seit heute morgen 4.30 Uhr kein Geld mehr zum Fliegen da.

Theoretisch könnte sich V Bird inzwischen selbst finanzieren, also das sog. Cash-Flow ist positiv. Jedoch haben zwei große Gläubiger die Begleichung Ihrer Rechnungen quasi über Nacht eingefordert. Das soll kein Vorwurf sein, lediglich eine Erklärung der Umstände bzw. Situation.

IMCA?

Zugegeben, IMCA schien zunächst der Wunschkanditat zu sein. Seit der letzten Nach weiß ich, die haben uns nur verarscht. Meine Meinung nach wollten die damit nur andere Investoren von der Übernahme Dutchbirds ablenken.

Wie geht´s weiter?

Über das WE laufen die Verhandlungen mit den übrigen möglichen Investoren (darunter ein großer Deutscher?!) weiter. Die aktuellen möglichen Investoren sind nämlich von dem grundsätzlichen Konzept und dem verbesserten Geschäftsergebnis seit der Führungsübernahme durch Henny Pelsers begeistert. Lediglich die Altschulden sind der Knackpunkt.

Ich glaube, daß man V Bird sterben lässt. Die Altlasten sind für mögliche zukünftige Investoren einfach untragbar. Da man aber definitv eine gut laufende Airline mit entsprechendem Personal und einem erfolgreichen Konzept anzubieten hat, ist ein Neubeginn á la Aero Flight durchaus im Bereich des Möglichen. Siehe dazu auch den Verbleib der Flugzeuge.

Würde es in der EU einen Gläubigerschutz ähnlich dem Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrecht geben, wäre es mit V Bird nicht so weit gekommen und man könnte sich jetzt gesund fliegen. Wie ist Eure Meinung dazu?

Verfasst: Freitag 8. Oktober 2004, 19:49
von K-Man
Hi,

ersteinmal vielen herzlichen Dank für diese Hintergrundinfos. Es ist gut zu wissen, daß die Kommunikation in diesem Forum so gut läuft. Solche Informationen sind für uns Gold wert. Die meisten User hier stehen voll hinter dem Flughafen und V-Bird. Deshalb tut es mir sehr leid, daß es zu den jetzigen Umständen gekommen ist. Da ich denke, daß Du auch persönlich davon betroffen bist, gelten meine Gedanken und guten Wünsche natürlich auch Dir (und allen anderen Mitarbeitern und Kunden).

Da ich mich leider im amerikanischen Recht nicht so gut auskenne, kann ich nicht sagen, was die bessere Alternative wäre. In den heutigen Zeiten kann ich auch die Gläubiger verstehen, die an Ihr Geld möchten. Trotzdem tut es mir in der Seele weh, zu sehen wie ein derzeit florierendes Unternehmen mit motivierten Mitarbeitern und größtenteils zufriedenen Kunden den Bach runtergeht...ich hoffe, daß es (wie auch immer) weitergeht...insbesondere auch für Dich persöhnlich.

Gruß,
K-Man

Was ist Chapter 11?

Verfasst: Freitag 8. Oktober 2004, 20:07
von ProVBird
Hi K-Man,

Danke für Deine Anteilnahme.

Sorry, ich hätte natürlich Chapter 11 erklären können. Hole ich hiermit nach.

Chapter 11 – Reorganisation/Sanierung

Der Schuldner behält die Kontrolle über seine Vermögensmasse und betreibt als Vermögensverwalter die Sanierung. Er ist berechtigt, innerhalb von 120 Tagen einen Sanierungsplan vorzulegen, der eine Verteilung gewisser Vermögenswerte auf die Gläubiger beinhaltet. Nach Ablauf der Frist kann jede Partei einen solchen Sanierungsplan vorlegen. Die Gläubiger bilden ihrerseits ein Kontrollgremium.

Nach dieser Regelung wird gegenwärtig (Stand März 2002) die Insolvenz von US Airways abgewickelt.

Und das sagt Heise online dazu:

Das Konkursverfahren nach Chapter 11 (Reorganization) des US-Konkursrechtswird von großen US-Gesellschaften wie z. B. US Airways am häufigsten angewendet. Während eines solchen Verfahrens kann ein Unternehmen seine Geschäfte unter dem temporären Schutz des Gerichts vor den Gläubigern weiterführen, sich reorganisieren und sanieren. Das zahlungsunfähige Unternehmen behält also die Kontrolle über das Geschäft, falls nicht anderes vom Konkursgericht angeordnet wird, das die Geschäfte des Unternehmens sowie den Fortgang der Sanierung kontrolliert und den Sanierungsplan genehmigen muss. Anzeige


Schuldner und Gläubiger haben im Rahmen dieses Konkursverfahrens sehr ausgeprägte Möglichkeiten miteinander zu kooperieren. Dabei sollen die Gläubiger möglichst viel von ihren Forderungen zurückerhalten. Dies ist oft besser möglich, wenn das Unternehmen nicht aufgelöst wird, sondern erhalten bleibt.

Da überschuldeten Unternehmen oft ausreichende finanzielle Mittel zur Fortführung der Geschäfte fehlen, wird häufig eine so genannte Debtor-in-Possession-Finanzierung mit Banken und anderen Geldgebern vereinbart. Die Rückzahlung dieses Neukredits hat Vorrang vor allen anderen Gläubigerforderungen. WorldCom z. B. hat einen solchen Kredit in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar arrangiert.

Bei Chapter-11-Konkursverfahren erhalten die Anleihebesitzer oder andere Gläubiger oft Aktien der reorganisierten Gesellschaft als Entschädigung für ihre Forderungen. Die alten Aktionäre gehen in der Regel leer aus und verlieren ihr Geld. Ziel des Unternehmens ist es, das Verfahren mit möglichst wenig Schulden abzuschließen.

Als zweites hauptsächliches Konkursverfahren sieht das US-Konkursrecht von 1978 einen Konkurs nach Chapter 7 (Liquidation) vor. Es wird angewendet, wenn ein Unternehmen nicht über ausreichende Vermögenswerte oder Geschäftsaussichten verfügt und aufgelöst werden soll. (dpa) / (jk/c't)

Verfasst: Freitag 8. Oktober 2004, 20:15
von NiesiausBo
Einerseits werden dadurch sicherlich viele Arbeitsplätze gerettet, bzw. könnten gerettet werden.
Andererseits setzt es aber auch die Gesetze der Marktwirtschaft außer Kraft.
Dadurch könnten Manager einer Firma wirtschaften wie sie wollen u.U. auch noch materiellen für die Firma wertvollen, für andere aber nicht brauchbaren Besitz anhäufen und die Firma dann an die Wand fahren.
Ich denke so ist es schon besser auch wenn es für den Flughafen, VBird und vor allem für die Mitarbeiter bitter ist.

@Pro VBird: Weisst Du denn wann nun die PK ist?

Verfasst: Freitag 8. Oktober 2004, 20:19
von Oliver
@ ProVBird

Schön ein paar Infos von der Basis zu bekommen.

Warten wirs ab und hoffen auf positive Ergebnisse für euch.
Vieleicht hast du die Möglichkeit (mit Segen von oben)
uns auf dem Laufenden zu halten´, bzw mit noch mehr
Hintergrundinfo zu füttern.

Grüsse
Olli

Verfasst: Freitag 8. Oktober 2004, 23:35
von dD
Dadurch könnten Manager einer Firma wirtschaften wie sie wollen u.U. auch noch materiellen für die Firma wertvollen, für andere aber nicht brauchbaren Besitz anhäufen und die Firma dann an die Wand fahren.
Dadurch sind aber auch die Gläubiger etwas vorsichtiger!
Wie oft bei Startups und großen Unternehmen hierzulande wird viel zu spät der Hahn zugedreht.
Selbst wenn es sich nun bei VBird nur um Altlasten handelt, hat ja irgend jemand ganz schön lange gefackelt oder auch mehrere.
Eigentlich hätte doch jeder Gläubiger (zumindest aus der Branche) wissen müssen dass es jetzt im Herbst brenzlig wird, die letzten großen Rechnungen vom Sommer kommen bzw. sind jetzt überfällig und die Buchungen für den Winter gehen zurück womit plötzlich ein Haufen Geld fehlt.
Versteht mich nicht falsch, ich bin für VBird und möchte auch das es weitergeht aber jetzt erst mal zumachen und die Gläubiger sitzen lassen ist die einfachere Lösung.
Mal abgesehen von den vielen Kunden die Ihre Tickets noch zum Ar... abputzen nutzen können sind ja warscheinlich hauptsächlich größere Firmen betroffen. Um die tut es mir aber nun wirklich nicht leid. 8)

Verfasst: Samstag 9. Oktober 2004, 01:17
von NiesiausBo
Dadurch sind aber auch die Gläubiger etwas vorsichtiger!
Du meinst die Investoren?! Gläubiger werden sie ja erst bei Insolvenz einer Firma.
Gebe Dir im Prinzip auch recht, allerdings ist doch die Frage ob zurückhaltende Investoren für die Wirtschaft eines Landes förderlich sind.

Verfasst: Samstag 9. Oktober 2004, 21:54
von dD
Nee, NiesiausBo
Du meinst die Investoren?! Gläubiger werden sie ja erst bei Insolvenz einer Firma
.
Ich meinte schon die Firmen die solange mit dem einfordern Ihrer Rechnungen warten. LTU zum Beispiel, hörte das die auch schon ganz schön lange gewartet haben. SO werden es viele andere auch gemacht haben. Das meinte ich.

Verfasst: Samstag 9. Oktober 2004, 23:05
von ProVBird
Im Westen nichts Neues!

Heute war ein informelles Zusammentreffen für interessierte Mitarbeiter. Die offizielle Betriebsversammlung gibt es dann am Montag um 16.00 Uhr... und dann vermutlich auch das offizielle Ende für V Bird Airlines B. V..

Viel mehr Informationen kann ich Euch jetzt nicht geben, nicht weil ich es nicht möchte, sondern weil ich es nicht darf. V Bird ist nach wie vor mein Arbeitgeber und ich möchte keinesfalls die laufenden Verhandlungen gefährden.

Auch, wenn das Produkt V Bird vermutlich nicht mehr in Erscheinung treten wird, so besteht doch eine Chance auf eine neue Airline mit ähnlichem Konzept.

Verfasst: Samstag 9. Oktober 2004, 23:11
von zunsel
Ich drück die Daumen, vor allem, dass möglichst viele VBird-Mitarbeiter, wenn denn eine neue Airline kommen sollte, da weiter beschäftigt werden.

Als Investor würde ich mir wohl auch keine 10-15 Mio. Verbindlichkeiten ans Bein binden wollen, wenn ich alternativ -als Neugründung- schuldenfrei zumindest die lukrativen Strecken fliegen könnte.

Gute Wünsche an die VBird-Mannschaft

Andreas
Team pro:niederrhein

Verfasst: Samstag 9. Oktober 2004, 23:39
von canaria
Es geht nicht nur um die Arbeit der vielen V-Bird Angestellten, sonden auch um die Arbeiter rund um den Flughafen.
Dort ist derzeit Ãœberstunden abfeiern angesagt.
Aber was ist danach???

Gruß

canaria

Verfasst: Samstag 9. Oktober 2004, 23:49
von zunsel
Ich weiß, eine entsprechende Mitteiliung wird ab morgen auch auf der pro-niederrhein Seite zu finden sein.

Auch den Beschäftigten dort gelten die Wünsche.

Und das schnell etwas positives geschehen möge.

Gruß
Andreas

Verfasst: Sonntag 10. Oktober 2004, 02:30
von NiesiausBo
Es geht aber auch um die Passagiere. Wenn ein Investor weiterhin auf VBird setzen würde, dann gäbe es noch hunderte Passagiere mit gebuchten Tickets und hunderte mit 50 Euro Gutscheinen aus Verspätungen und Flugabsagen. Bei Neugründung fallen die alle raus... aber ist das wirklich eine vertrauensbildende Maßnahme?

Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 18:38
von ProVBird
Hallo von Fuerte!

Wie schon gelesen, hat der Insolvenzanwalt in Maastricht unsere Gnadenfrist bis Donnerstag, 14.10.04, 12.00 Uhr verlängert. Diese Entscheidung trifft man nicht ebenso bei 10 - 15 Mio. Euro Schulden! Der oder die neuen Investoren scheinen inzwischen ganz heiße Kandidaten zu sein.

Mehr haben wir bisher auch nicht erfahren.

Bis spätestens Donnerstag Mittag

Timo

Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 20:25
von heinz-w
Sag mal, Timo, so nebenbei, mit welcher Airline bist du denn geflogen?
:wink: